Hinweise zu Honorarermittlungen

Geistig-schöpferische Leistungen sind allgemein schwer zu bewerten. Die Architektentätigkeit wird nicht nur deshalb durch Laien oft unterbewertet. Eine Orientierung des Honorars am tatsächlichen Aufwand des Architekten ist äußerst kompliziert.

Die Abrechnung nach Zeitaufwand wird nicht immer im Interesse des Bauherrn liegen, weil diese für ihn oftmals schwer nachvollziehbar und kontrollierbar ist. Man denke z.B. auch an die Zeit für Vor-, Neben- und Nacharbeiten oder Literaturrecherchen usw., also Aufwendungen, die dem Architekten bei seriöser Berufsausübung unweigerlich entstehen, die jedoch schwerlich mit dem einzelnen Bauherren abzurechnen sind. Der tatsächliche Zeitaufwand hängt neben den unterschiedlichsten Randbedingungen des jeweiligen Projektes auch von einer Unmenge von subjektiven Faktoren ab. So würde z.B. möglicherweise ein unerfahrener Architekt mehr Honorar berechnen, als ein erfahrener Kollege, der die gleiche Aufgabe schneller bewältigt. Daher hat der Gesetzgeber eine Gebührenordnung erlassen, die verbindliches Preisrecht ist, d.h. sie muss nicht gesondert vereinbart werden, sondern gilt “automatisch” für alle dort beschriebenen Leistungen.

Anhand der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) wird das Honorar in Abhängigkeit von den Baukosten unter Berücksichtigung des Schwierigkeitsgrades (Honorarzone) ermittelt. Trotz vermeintlicher Unzulänglichkeiten dieser Abhängigkeit ist sie durchaus sinnvoll, insofern z.B. die möglichen Lösungsvarianten mit der Gebäudegröße (und den sich daraus ergebenden Baukosten) zunehmen, wodurch zwangsläufig auch der Planungsaufwand steigt, und umgekehrt. Darüber hinaus steigt bei größerem Bauumfang auch der Aufwand für die Bauüberwachung. Gleichzeitig steigt mit dem Bauvolumen aber auch der durch die Architektenleistung entstehende absolute Wertvorteil für den Bauherren. Die Verantwortung und das Haftungsrisiko des Architekten ist bei teureren Bauten natürlich größer als bei weniger aufwändigen Gebäuden.

Der Aufwand für Planung und Bauleitung steigt jedoch nicht proportional zu den Baukosten, sondern er wird bei größeren Baukosten anteilig kleiner, was sich auch in den Honorartafeln der HOAI widerspiegelt. Diese legen Mindest- und Höchstsätze fest, innerhalb welcher das Honorar frei vereinbart werden kann. Ihre Unter- bzw. Überschreitung ist gesetzlich unzulässig und unwirksam. Der Gesetzgeber schützt damit einerseits den Bauherren vor überhöhten Preisen und will andererseits verhindern, dass ein ruinöser Preiskampf unter den Architekten entsteht, der durch zwangsläufige Qualitätseinbußen wiederum zu Nachteilen für die Bauherren führt.